Helikoptergeld (oder BGE) + Geldmengenanpassung = Krisenfest?

Gerade zur Zeit wachsen für viele Unternehmer, Angestellte und auch freischaffende Künstler die Sorgen um Verdienstausfälle. Es ist nicht überraschend, dass in solch schwierigen Zeiten auch der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen wieder lauter wird.

Unbestritten könnte in Krisenzeiten wie diesen ein bedingungsloses Grundeinkommen stabilisierend auf die gesamte Gesellschaft wirken. Niemand würde mit einem solchen Grundeinkommen unverdient wegen eines Virus ins gänzlich Bodenlose stürzen. Das würde sicherlich mehr Sicherheit und Ruhe auch in Zeiten einer tiefen Krise schaffen.

Aber wenn der Staat in Folge einer krisenbedingten Rezession weniger Steuereinnahmen erhielt, blieb die Frage, wie solide sich ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren ließe, gerade wenn man es am nötigsten bräuchte. Alle gegenwärtigen Ideen zur Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens basieren auf Steuereinnahmen. Wäre das krisenfest? Ist unser Steuersystem überhaupt für so etwas gemacht?

Dann gibt es noch eine andere Möglichkeit, wie der Staat oder die Zentralbank im Zweifel an Geld kommen können. Diese gilt allerdings insbesondere in Deutschland wegen seiner historischen Erfahrung als toxisch. Banal gesagt könnte man sie so auf den Punkt bringen, der Staat druckt einfach Geld, wenn er es benötigt.

Gerade hierzulande erwacht sofort ein historisches Trauma. Die Hyperinflation in den zwanziger Jahren entstand genau aus diesem Grund. Deswegen stoßen neuere Vorschläge, man könnte im schlimmsten Fall die befürchtete Wirtschaftskrise mit geschöpften Geld bekämpfen hierzulande besonders auf Skepsis. Die gerade erwachende Idee die Menschen mit sogenanntem Helikoptergeld zu unterstützen geht in diese Richtung.

Dabei finden sich auch historische Beispiele, in denen Helikoptergeld klug, mäßig und durchaus erfolgreich eingesetzt wurde. Japan milderte damit die Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929 ab, und Großbritannien finanzierte seinen teuren Einsatz im 1. Weltkrieg über ewige Bonds mit unbegrenzter Laufzeit, was praktisch eine Form von Helikoptergeld darstellt.

Und auch hierzulande schaffen längst täglich Banken Geld nach Bedarf. Wieso führt die Geldschöpfung bei der Kreditvergabe zu keiner Hyperinflation? Könnte man von diesem Vorgang etwas lernen? Vielleicht das: das für Kredite geschöpfte Geld löst keine Inflation aus, weil der zurückgezahlte Kreditbetrag wieder gelöscht wird. Die Bank behält ja nur die Zinsen sein. Den Kreditbetrag selbst schafft sie aus dem Nichts durch Giralgeldschöpfung und lässt ihn bei Rückzahlung wieder im Nichts verschwinden. Das lässt die Geldmenge nicht ins Unermessliche wachsen und hält die Preise weitgehend stabil.

Und hier liegt vielleicht ein entscheidender und viel zu wenig beachteter Unterschied zur grenzenlosen Geldschöpfung von 1923. Giralgeld kann man ebenso einfach wieder löschen, wie man es entstehen lassen kann. Diese technische Option stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht zur Verfügung. Heute verfügen wir aber damit über ein digitales Werkzeug, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Wie könnte man diese Option in Bezug auf Helikoptergeld oder gar einem bedingungslosen Grundeinkommen anwenden?

Abgesehen von der Tatsache das folgende Szenarien in Deutschland aufgrund der Gesetzeslage extrem unwahrscheinlich sind, stellen wir uns trotzdem mal rein hypothetisch Folgendes vor:

Ein Helikoptergeld oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen wird mit Giralgeld geschöpft. Der Bürger zahlt in den Folgemonaten als Ausgleich dafür jeden Monat neben der Steuer eine Geldmengenanpassung. Diese wird aber, im Gegensatz zur Steuer, bei Rückzahlung wieder gelöscht, bis der Betrag quasi in Form eines kleinen Sonderzuschlags auf die Steuer irgendwann abgezahlt ist. In dem Falle wäre das Grundeinkommen oder das Helikoptergeld quasi ein zinsloser Kredit an die Bevölkerung, der zusammen mit einem, zeitlich begrenzten Zuschlag auf die Steuer abgegolten würde. Durch die Löschung der zurückgezahlten Geldmengenapassung würde sich die akut benötigte erhöhte Geldmenge irgendwann wieder angleichen. Die Bürger müssten nur solange den Zuschlag zahlen, bis das ausgeschüttete Helikoptergeld oder temporäre Grundeinkommen abgegolten wäre. Dies könnte den inflationären Effekten eines Helikoptergeldes entgegenwirken.

Kurz: Die Zentralbank oder die Regierungen oder die EU würden agieren, wie Banken bei einer Kreditvergabe.

Das klingt erstmal neu, und es stellt sich natürlich sofort die Frage, wie dies im gegenwärtigen politischen und gesetzlichen Rahmen überhaupt institutional umsetzbar wäre.  Zugegeben, weder unsere Gesetze, noch das globale Finanzsystem als Ganzes sind auf ein solches Vorgehen eingerichtet.

Trotzdem könnte eine Diskussion darüber lohnen. Und wenn sie nur die Aufmerksamkeit auf eine bislang womöglich unterschätzte Option im Geldsystem lenken würde. Und gänzlich unerfahren ist unser Finanzsystem letztendlich tatsächlich nicht mit der Schöpfung und Löschung von Giralgeld. Rein praktisch leben uns die Banken dies ja bereits in ihrem Tagesgeschäft vor. Wir sprechen hier also nicht über eine Utopie. Geldschöpfung nach Bedarf, in welcher Form und mit welcher Zielsetzung auch immer, fand schon immer statt, mal erfolgreich und manchmal ging es auch gewaltig schief. Aber mit der gezielten Nutzung eines solchen technischen Instruments, fand sie, außer tagtäglich bei der Geldschöpfung durch Kredite, meines Wissens noch nie statt. Wer es besser weiß, möge mich korrigieren.

Die Theorie der sozialen Geldschöpfung, nebenbei, baut genau darauf auf. Sie geht sogar noch weiter. Nach ihr finanziert der Staat auf diese Weise alle öffentlichen Ausgaben, und der Bürger zahlt nur noch eine Geldmengenapassung. Eine Steuer würde dieser Staat ja nicht mehr benötigen.

Wege auszuloten, wie man unser derzeit fragiles Finanzsystem auf solidere Füße stellen könnte, ist am potentiellen Beginn einer Wirtschaftskrise ein mehr als berechtigtes Anliegen. Es könnte schon in nächster Zeit  zu einer Dringlichkeit werden.