Soziale Geldschöpfung: Nicht Neu und doch Neu.

Zum Artikel beim Deutschlandfunk
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Es hat gut getan diesen Artikel von Aaron Sahr für den Deutschlandfunk zu lesen. In Ansätzen ist darin die Idee der sozialen Geldschöpfung zu erkennen. Ein ähnlicher Gedanke wurde also schon einmal gedacht.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die gesamte Weltwirtschaft auf eine Rezession zusteuert, könnte dieser Gedanke wieder hochinteressant werden. Wenn eine komplette Gesellschaft in ihrer Finanzierung einzig auf einer funktionierenden Wirtschaft aufbaut, dann ist die Ordnung der Gesellschaft gefährdet, wenn der Wirtschaftsmotor nicht mehr läuft. In Zeiten wie diesen aber beginnt ein unfreiwilliges Experiment, dass das gesamte Wirtschaftssystem auf den Prüfstand stellt. Wie lange kann es den Zustand wirtschaftlicher Stagnation durchhalten? Neben Pandemien gibt es noch weitere Szenarien, die unser Wirtschafts- und Geldsystem zukünftig solchen Stresstests unterziehen könnten, zum Beispiel die unabsehbaren Folgen des Klimawandels.

Die bisherige Bilanz: Der Kommunismus ist krachend gescheitert, die soziale Marktwirtschaft hat noch nie eine für alle Seiten befriedigende Balance zwischen Wirtschaftskraft und Sozialleistungen gefunden und der Wirtschaftsliberalismus hat alles Soziale der Ökonomie untergeordnet und damit ad absurdum geführt .

War das wirklich schon das Ende der Ideen? Ist wirklich keine Entwicklung mehr möglich?

Wir leben im 21. Jahrhundert, und haben durch die Digitalisierung neue, ungeahnte technische Möglichkeiten Geldkreisläufe zu steuern. An den Börsen werden Algorithmen eingesetzt, um die Profiteure dieses Systems weiter zu bereichern. Warum schafft man keine Algorithmen um Sozialausgaben effektiv zu finanzieren? Banken nutzen schon seit Jahren das Privileg digitaler Geldschöpfung und zeigen, dass man durch Löschung des geschöpften Giralgelds eine Hyperinflation vermeiden kann. Warum nutzen nur Banken diese Möglichkeit und nur für den Konsum und die Wirtschaft? Könnte man auf ähnliche Weise nicht auch einen Staatshaushalt finanzieren, mit all den gerade in Krisenzeiten so wichtigen aber gefährdeten Sozialausgaben?

Die Theorie der sozialen Geldschöpfung spürt genau dieser Idee nach, indem sie nämlich eine Theorie aufstellt, nach der der Staat seine Ausgaben nicht mehr über Steuern einnimmt, sondern den Geldkreislauf über eine Kombination aus Giralgeldschöpfung und einer anschließenden Geldmengenanpassung regelt, ähnlich dem Kreditgeschäft der Banken, die ja auch Kreditbeträge schöpfen und bei Rückzahlung wieder löschen. Damit weist sie Ähnlichkeiten auf zu der in diesem Artikel beschriebenen Theorie von Beardsley Ruml und Ideen der Modern Monetary Theory.

Uns stehen im 21. Jahrhundert zur Gestaltung der Geldströme digitale Werkzeuge zur Verfügung, die es im vorherigen Jahrhundert noch nicht gab. Beginnen wir doch einfach verstärkt über diese Potentiale zu diskutieren, dann könnte die Krise zu einer echten Chance werden.