Soziale Geldschöpfung und die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen.

Das zum Rettungsschiff “Seawatch 4” umgebaute ehemalige Forschungsschiff “Poseidon” soll laut EKD-Vorsitzendem Heinrich Bedford-Strohm im August zu ersten Einsätzen auslaufen. Nachdem eine staatliche Rettungsaktion für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer nach wie vor ausbleibt, ist eine private, von der Kirche unterstützte Seenotrettung unerlässlich. Es ist beschämend, dass die Regierungen der EU wohl aus Gründen der Abschreckung Menschen in Not auf hoher See nach wie vor im Stich lassen. Gottseidank füllen private Initiativen, wie “United4Rescue” diese Lücke, unterstützt unter anderem von der Kirche.

Auch die EU Innenminister beraten heute in einer informellen Videokonferenz darüber, wie mit dieser Situation weiter umgegangen werden soll. Es steht allerdings zu befürchten, dass es dabei wieder mal lediglich um die Frage gehen wird, wie die anerkannten Asylanten in der EU besser verteilt werden.

Von der Bekämpfung der Ursachen der globalen Flüchtlingsbewegungen wird zumindest in der Öffentlichkeit kaum noch gesprochen. Mit Blick auf die strukturellen Schieflagen in unserer globalisierten Wirtschaft erscheint dies auch als Herkulesaufgabe, den die globale Wirtschaftssituation mit all ihren Wirkursachen selbst ist ja die wohl der hauptsächliche Grund solcher Flüchtlingsbewegungen, oft forciert noch durch politische Krisensituationen.

Eine der nachhaltigsten Methoden zur Eindämmung der Fluchtbewegungen könnten dementsprechend neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen sein. Oder sogar mehr noch. Wie könnte es gelingen Armut zu bekämpfen, in dem man den finanziellen Handlungsrahmen einer Regierung unabhängig macht von der Wirtschaftskraft ihrer Nation? Einfacher gesagt, wie könnte ein Staat auch dann genügend Geld zur Verfügung haben, wenn er kaum Steuern oder Sozialabgaben einnehmen kann?

Genau dies ist die grundlegende Idee der sozialen Geldschöpfung. Sie könnte nicht nur uns helfen die Folgen der durch die Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise wirksam einzudämmen, sie könnte auch den finanziellen Spielraum wirtschaftlich schwacher Staaten erweitern, und zwar unabhängig von deren Wirtschaftslage.

Kurzfristig ist ein solcher Umbau des Geldsystems natürlich nicht zu erreichen, aber für zukünftige Generationen ist eine Diskussion über neue Wege in unserem Geldsystem unerlässlich. Über den Einbau neuer technischer Optionen wie der Geldmengenapassung, wie sie derzeit nur in der Idee der sozialen Geldschöpfung vorgeschlagen wird, muss noch viel stärker gesprochen werden.